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Lampenfieber vor der Präsentation: Was im Körper passiert und was wirklich hilft

Lampenfieber ist etwas durchaus positives und trifft auch Profis. Und eine meiner schwächsten Moderationen war ausgerechnet die ohne.

Natasha Macheiner13.10.20263 Min. Lesezeit
Collage: Eine nervöse Frau im Blazer lugt mit Moderationskarten hinter einem Bühnenvorhang hervor, links steht ein Mikrofon

Kennen Sie dieses Gefühl? Am Abend vor der Präsentation ist noch alles in Ordnung. Am nächsten Morgen vielleicht auch. Doch wenige Minuten bevor Sie vor Ihr Publikum treten, steigt der Puls, die Hände werden feucht und beginnen zu zittern, der Magen krampft sich zusammen.

Das nennt sich Lampenfieber. Und es ist nicht so schlimm, wie Sie glauben.

Auch Profis haben Lampenfieber

Lampenfieber gehört auch für uns Profis dazu. Egal ob vor einer Moderation, vor einem Schauspielauftritt oder vor einer Präsentation: Unmittelbar davor trifft es selbst die Hartgesottensten.

Und das ist gut so. Denn Lampenfieber ist besser als sein Ruf.

Was beim Lampenfieber im Körper passiert

Kurz vor dem Auftritt schüttet Ihr Körper Stresshormone aus, allen voran Adrenalin. Das Herz schlägt schneller, Sie werden wacher und aufmerksamer. Genau das brauchen Sie vor Publikum.

Gleichzeitig schickt der Körper das Blut verstärkt in die großen Muskeln. Hände und Füße werden kühler, die Muskeln spannen sich an, die Hände zittern. Der Speichelfluss sinkt, der Mund wird trocken. Die Verdauung wird gedrosselt, daher das flaue Gefühl im Magen.

Was sich wie Nervosität anfühlt, ist also Ihr Körper, der sich auf Leistung vorbereitet.

Vier Tipps gegen Lampenfieber

1. Trinken Sie ausreichend stilles Wasser

Wer genug trinkt, beugt dem trockenen Mund vor, der mit der Aufregung kommt. Achtung: nur stilles Wasser. Bubbelwasser kann mitten in der Präsentation zum Rülpsen führen, und das will niemand.

2. Lernen Sie die ersten zwei Sätze auswendig

Aber nur diese beiden. Gelingen die ersten Minuten ohne Versprecher, beruhigt sich das gesamte Nervensystem. Der Rest wird dann zum Kinderspiel.

3. Gehen Sie zeitig ins Bett

Ein ausgeschlafener Kopf präsentiert einfach besser. Planen Sie die Nacht vor einer wichtigen Präsentation so, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen.

4. Ziehen Sie sich fünf Minuten vor dem Auftritt zurück

Ich mache das vor jedem wichtigen Auftritt. Die letzten fünf Minuten gehören mir allein. Bei Moderationen in großen Veranstaltungshallen war das im schlimmsten Fall das stille Örtchen, der einzige Ort, an dem ich wirklich Ruhe hatte.

Dort erde ich mich: Ich stelle mir vor, wie sich meine Füße im Boden verankern. Ich mache den Kopf frei und wiederhole die ersten zwei Sätze. Dann gehe ich auf die Bühne, mit Lampenfieber.

Warum Sie Lampenfieber gar nicht loswerden wollen

Übrigens: Gar kein Lampenfieber zu haben, ist kein gutes Zeichen. Das musste ich selbst erfahren. Vor einer Veranstaltung blieb die Aufregung einmal völlig aus, weil mir das Event ehrlich gesagt ziemlich egal war. Das Ergebnis: eine der schlechtesten Moderationen, die ich je gehalten habe.

Lampenfieber hat also seinen Sinn. Es zeigt, dass Ihnen die Sache wichtig ist.

Mit den vier Tipps oben verschwindet es trotzdem nach wenigen Minuten von allein. Übrig bleiben die Komplimente für Ihre Präsentation.

Häufige Fragen zu Lampenfieber

Ist Lampenfieber normal?

Ja. Lampenfieber ist eine natürliche Stressreaktion, die auch erfahrene Sprecherinnen, Moderatoren und Schauspieler kennen. Es macht wach und aufmerksam.

Wie lange dauert Lampenfieber?

Meist nur die ersten Minuten. Sobald der Einstieg gelungen ist, lässt es deutlich nach.

Was hilft kurz vor dem Auftritt gegen Lampenfieber?

Ein Schluck stilles Wasser, die ersten zwei Sätze im Kopf wiederholen und sich fünf Minuten zurückziehen, um sich zu erden.

Wann ist es mehr als Lampenfieber?

Wenn die Angst so stark ist, dass Sie Auftritte vermeiden oder Panikattacken bekommen. Dann sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder einer Psychotherapeutin.

Sie möchten das mit Ihrem Team üben? Seit 2010 habe ich über 3.000 Menschen in Medien- und Präsentationstrainings begleitet, vorwiegend Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik. Trainings gibt es auf Anfrage.